Kenn ihr das? Ihr sitzt vor einem Team oder einer Gruppe, ihr habt intensiv an einem Thema gearbeitet und doch seid ihr noch nicht ganz dort, wo ihr hin wollt. Ihr merkt, da ist noch mehr – aber niemand spricht es aus. Das kann richtig unangenehm werden. Man beginnt an sich zu zweifeln… Ist da vielleicht doch nicht mehr? Bin ich auf der falschen Spur? Die Gespräche, die Antworten, die Fragen – alles fühlt sich mühsam an…
Und dann kommt manchmal dieser eine Punkt. Dieses komplett unangenehme Schweigen. Der Moment, in dem niemand mehr auf Fragen antwortet und die Anspannung im Raum fast greifbar wird. Als hätte man sich komplett im Nebel verlaufen.
Es klingt jetzt vermutlich seltsam, wenn ich sage: Ich liebe diesen Moment! So schmerzhaft er auch sein mag. Denn ich weiß, wenn ich jetzt die eine richtige Frage stelle, löst sich alles. Und oft ist es eine Frage, die konträr zu allem ist, was ich bis dahin gefragt habe. Oder es ist eine Frage, die einfach nur ehrlich ausdrückt, was ich wahrnehme.
Ein aktuelles Beispiel: Wir haben an gemeinsamen Werten gearbeitet. Daran, was die Zusammenarbeit ausmacht und was für einzelne und für die Gemeinschaft wichtig ist. Das ursprüngliche Ziel war es, einen gemeinsamen Weg für bestimmte Anlässe im Team zu finden (Geburtstage, etc.). Das war ein emotional sehr aufgeladenes Thema.
Alle Vorarbeit war super erledigt: Toller Austausch über Werte und Bedürfnisse, Super Grundlage geschaffen, um den Sack zuzumachen. Trotzdem war es nicht möglich, das konkrete Thema auch nur anzufassen – als hätte es Stacheln oder wäre kochend heiß. Die Stimmung sank immer weiter in den Keller. Bis endlich dieser absolut unangenehme Moment eintrat. Alles still. Keine Antworten mehr. Als hätte jemand alle Energie aus dem Raum gesaugt. Jetzt oder nie: „Warum ist das so unangenehm?“ „Was macht das gerade so enorm schwer?“
Und dann: „Es sind die Räume! Wir müssen raus!“ Kollektives Aufatmen, die Umgebung bekommt wieder Farbe. Das war es! Gemeinsame Feierlichkeiten müssen raus aus den Arbeitsräumen. Und schon kaman von allen Seiten Ideen und Gedanken. Und innerhalb von wenigen Minuten war das Thema zufriedenstellend für alle gelöst.
Das Spannende daran? Die Idee hatte es so schon gegeben. Ganz zu Beginn. Aber da war es einfach noch nicht so weit. Es brauchte das Gefühl, dass alles durchgedacht, alles ausgeschöpft war. Es brauchte erst diesen unangenehmen Moment, um die Schönheit und Wichtigkeit dieses Gedankens sehen zu können.