Social loafing

Bibb Latané et al. (1979)

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Ziel

Die TeilnehmerInnen verstehen, dass die Leistung der/des Einzelnen bei der Arbeit in Teams oder Gruppen nachlassen kann, wenn sie nicht gesondert identifizierbar ist.

 

Kontext

  • Gruppendynamik
  • Führung
  • Kooperation

 

Theorie und Praktische Einführung

(basierend auf Latané et al. (1979): Many Hands Make Light the Work: The Causes and Consequences of Social Loafing)
Bereits Maximilien Ringelmann beobachtete in den 1880er Jahren das Phänomen, dass die physische Leistung von Menschen, die in einer Gruppe arbeiten, nicht so hoch ist, wie man es aufgrund der Summe der möglichen Einzelleistungen erwarten würde. Sein Experiment zu dem Thema (Ringelmann-Effekt) ging als erstes sozialpsychologisches Experiment überhaupt in die Geschichte ein, auch wenn es nicht als solches ausgelegt war – Ringelmann war Agraringenieur. Er setzte sich dementsprechend auch nicht näher mit den Ursachen auseinander, sondern ging davon aus, dass es sich um mangelnde Koordination und/oder Motivation handeln müsse.

 

Fast ein Jahrhundert später setzten sich Psychologen wieder mit dem Thema auseinander und begannen, sich die Hintergründe genauer anzusehen. Da mangelnde Koordination ein wenig spannendes und leicht zu behebendes Problem darstellt, ging man von den ursprünglichen Überlegungen und Ringelmann’s Experimenten weg und konzentrierte man sich bald hauptsächlich auf das Phänomen des social loafing – oder auf Deutsch: des sozialen Faulenzens.

 

Unter anderem beschäftigte sich eine Gruppe um den Sozialpsychologen Bibb Latané mit dem Thema. Sie unternahmen Versuche, in denen die ProbandInnen mit Augenbinden und Kopfhörern ausgestattet waren. Sie bekamen Anweisungen, nach denen Sie so laut wie möglich rufen und klatschen sollten. Wurde ihnen dabei suggeriert, sie befänden sich in einer Gruppe, strengten sie sich deutlich weniger an. Nach diesen Versuchen war auch das Interesse anderer Forscher geweckt und es fanden viele derartige Versuche statt.

 

Steven Karau und Kipling Williams führten schließlich eine Meta-Analyse über 80 dieser Experimente durch und fanden heraus, dass dieses Phänomen sowohl bei körperlicher als auch bei geistiger Arbeit auftritt. Es kann in jedem Bereich eine Rolle spielen, in dem Gruppen von Menschen zusammenarbeiten, die Arbeit der/des Einzelnen aber nicht gesondert erkennbar ist.

 

Um diesem sozialen Faulenzen entgegenzuwirken, kann man einige Maßnahmen ergreifen:

 

  • kleine Gruppen: je kleiner die Gruppe, umso wichtiger und sichtbarer wird der Beitrag jeder einzelnen Person
  • Ziele und Bedeutung der Arbeit bewusst machen: je mehr sich die einzelnen Teammitglieder mit ihrem Tun identifizieren können, umso mehr sind sie bereit zu leisten
  • individuelle Aufgabenverteilung: dadurch werden Leistungen wieder zuordenbar und die Identifikation der Teammitglieder mit ihren jeweiligen Aufgaben steigt
  • regelmäßiger Austausch: so können mögliche Motivationstiefs früh erkannt und abgefangen werden
  • individuelle Leistungen anerkennen: finden einzelne Beiträge in irgendeiner Form Anerkennung, steigert dies die Motivation und die Leistungsbereitschaft

 

Diese Liste lässt sich natürlich fortsetzen und soll hier lediglich einen Anstoß dafür geben, sich Gedanken darüber zu machen, wie man Sozialem Faulenzen in der eigenen Gruppe/im eigenen Team entgegenwirken kann.

 

Kommentar

Die Theorie des social loafing kann als Augenöffner dafür dienen, dass Teamarbeit mehr ist, als einfach in einer Gruppe an etwas zu arbeiten. Will man das Beste herausholen, ist es notwendig, darauf zu achten, dass es der Gruppe UND den einzelnen Gruppenmitgliedern gut geht. Überlässt man das Ganze sich selbst, geht Motivation verloren und die Leistungsbereitschaft sinkt.

 

Richtiger Zeitpunkt/Voraussetzungen

Es gibt keine inhaltlichen Voraussetzungen für diese Theorie. Sinnvoll eingebaut wird sie, wenn es um den Zusammenhalt einer Gruppe oder die Überlegungen für die Gestaltung der zukünftigen gemeinsamen Arbeit geht.

 

Querverweise

  • Teamphasen nach Tuckman
  • Gruppenphasen nach Rechtien
  • Riemann-Thomann-Modell als Gruppenkompass

 

Weiterführende Literatur

 

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