Eisbergmodell

Sigmund Freud / Paul Watzlawick

(als pdf herunterladen)

 

Ziel

Die TeilnehmerInnen sollen den Eisberg als Metapher für die menschliche Kommunikation verstehen. Es soll klar werden, dass wir nur einen kleinen Teil der Botschaften sichtbar und auf der Sachebene kommunizieren. Der weitaus größere Teil dessen, was wir sagen liegt versteckt auf der Beziehungsebene – unter Wasser.

 

Kontext

 

Theorie

(basierend auf Ruch/Zimbardo (1974): Lehrbuch der Psychologie)

Die Theorie selbst ist sehr simpel und geht auf Sigmund Freud, den Begründer der Psychoanalyse, zurück. Dem Eisbergmodell liegt das Prinzip zugrunde, dass nur ein kleiner Teil (ca. 20%) über der Wasseroberfläche sichtbar ist und der Rest (80%) unter der Wasseroberfläche verborgen liegt. Freud hat damit das menschliche Bewusstsein in Ebenen geteilt. Sichtbar über der Wasseroberfläche ist demnach alles Bewusste angesiedelt, dem das rationale Verhalten zugewiesen wird. Unter der Wasseroberfläche sind die vorbewusste (persönliche Erfahrungen, Ängste) und die unbewusste (Triebe, Instinkte, Traumata) Ebene angesiedelt. Die Wasseroberfläche selbst hat demnach eine Art Schutzfunktion für die Persönlichkeit, die dafür sorgt, dass nur das sichtbar ist, was wir auch kontrollieren können.

Das Umlegen dieses Modells auf die menschliche Kommunikation schreibt man Paul Watzlawick zu. Er sieht im sichtbaren Teil die Sachebene und im verborgenen Teil die Beziehungsebene und meint damit schlicht, dass wir nur einen kleinen Teil dessen, was wir ausdrücken, über die Sachebene (rational) transportieren – der weitaus größere Teil wird, meist unbewusst, über die Beziehungsebene (emotional) transportiert.

 

Praktische Einführung

„Wenn wir miteinander kommunizieren, tun wir viel mehr als Worte aussprechen und aufnehmen. Wir transportieren mit allem was wir sagen, einen ganzen Haufen zusätzlicher Botschaften mit, die vom Gegenüber aufgenommen und interpretiert werden. Um genau zu sein, sieht die Verteilung zwischen den sachlichen Inhalten, die wir weitergeben und dem, was an zusätzlichen, emotionalen Botschaften mitschwingt, wie ein Eisberg aus: (Eisberg zeichnen – dabei ragen ca. 20% über die Wasseroberfläche hinaus, die restlichen 80% sind unter der Wasseroberfläche verborgen). Die Sache, der Inhalt, das Rationale des Gesagten machen dabei gerade einmal 20% aus. Der ganze Rest von 80% wird über die emotionale oder Beziehungsebene transportiert – und das meist unbewusst oder nur halb bewusst. So spielen die Mimik, die Gestik, die Tonlage, die Sprechgeschwindigkeit, Betonung, etc. eine viel größere Rolle als der bloße Inhalt des Gesagten.

 

Beispiel:

Ein Bekannter kommt zu mir und erzählt mir, dass er gerade befördert wurde. Der Inhalt dieser Aussage ist einfach. Wie sehr sich dieser Bekannte aber gerade darüber freut, ob es ihn nervös macht, ob er damit angeben will, ob es ihn möglicherweise überrascht hat, ob es ihm Sorgen bereitet, etc. erkenne ich nicht durch die Worte – dafür muss ich versuchen, die 80% unter der Wasseroberfläche richtig zu deuten (lächeln/ernster Blick, schnelles/langsames Sprechen, zögern, etc.). Erst dann kann ich die Botschaft richtig und in ihrer Gesamtheit verstehen und entsprechend darauf reagieren.

 

Kommentar

Der echte Ursprung dieses Modells ist unbekannt. Es wurde von verschiedenen Theoretikern in leicht unterschiedlichen Nuancen verwendet. Die Metapher beispielsweise wurde erstmals von Ernest Hemingway als Beschreibung seines literarischen Stils verwendet.

Ähnlich, wie das Pareto-Prinzip kann man das Eisbergmodell auf verschiedene Bereiche anwenden – im Bereich Kommunikation hat sich die oben beschriebene Verwendung durchgesetzt.

 

Richtiger Zeitpunkt/Voraussetzungen

Es gibt keine inhaltlichen Voraussetzungen für diese Theorie. Auch der Zeitpunkt kann beliebig gewählt werden, da es sich um etwas handelt, was sich jeder leicht vorstellen kann und das man bei kurzem Nachdenken aus dem eigenen Alltag kennt.

 

Arbeitsmaterial

Handout zum Eisbergmodell als pdf

 

Querverweise

 

Weiterführende Literatur

 

Menschliche Kommunikation: Formen, Störungen, Paradoxien

Paul Watzlawick, Janet H Beavin, Don D Jackson

 

Beispiel-Training (60 Minuten)

Zeit Beschreibung Material
15‘ Vorstellung des Modells Flipchart oder Beamer
30‘ zu zweit: jedes Team bekommt eine Liste mit alltäglichen einfachen Sätzen und eine Liste mit Gefühlen. Abwechselnd nimmt sich jeweils eineR einen Satz und ein beliebiges Gefühl (zufällig?), ohne es der/dem anderen zu zeigen und artikuliert den Satz mit dem gewählten Gefühl. Das Gegenüber versucht die Botschaft zu verstehen. vorbereitete Listen (oder einzelne Zettel zum Ziehen) mit Sätzen und mit Gefühlen
15‘ kurze Nachbesprechung, was die Erkenntnisse waren, was schwierig und was leicht war;

 

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4 Antwort auf “Eisbergmodell”

  1. Jens Werner

    gute und hilfreiche Darstellung

    Antworten
  2. Stefanie

    Hallo Zusammen,

    hat jemand Beispielsätze & Gefühle für die Übung, die aus Eurer Erfahrung gut funktioniert haben?
    Lieben dank!
    Alles Liebe Stefanie

    Antworten
  3. LamAlina

    Liebe Stefanie, ich kann Dir gern behilflich sein, meld Dich einfach gern. Gruß LamAlina

    Antworten
    • Michaela

      Hallo, ich weiß, die Kommentare sind schon etwas älter, aber ich frag trotzdem mal nach: hat jemand Beispiele, die sich bei Jugendlichen bewährt haben? Ich bin dankbar für jeden Tipp 😉
      lg Michaela

      Antworten

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