Landkarte

zur Entscheidungsfindung

Nadine Hamburger (2009)

 

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Ziel

Sie selbst (oder auch die TeilnehmerInnen) sollen in der Lage sein, anhand der Landkarte alle Aspekte einer Entscheidung zu überblicken.

 

Kontext

  • Reflexion
  • Selbstmanagement

 

Theoretischer Hintergrund und Praktische Umsetzung

(basierend auf Nadine Hamburger (2009): Glücklich als Trainer)

 

Nadine Hamburger zeigt mit der Landkarte eine Visualisierungshilfe auf, die dabei hilft, wichtige Aspekte und Perspektiven im Blick zu behalten, wenn man vorhat, eine wichtige Entscheidung zu treffen. Sie beschreibt dies in Zusammenhang mit neuen Ideen oder Geschäftsfeldern als TrainerIn – Soll man diese eine neue Idee umsetzen oder ist das Risiko doch zu groß?

Damit man eben nicht den Überblick verliert und alle wichtigen Aspekte im Auge behält, schlägt sie vor, immer vier Perspektiven einzunehmen, bevor man eine Entscheidung trifft (Hamburger 2009: S. 61):

 

  • das Innere (nicht sichtbare) und
  • das Äußere (sichtbare),
  • das Individuelle und
  • das Gemeinschaftliche/Umgebende

 

Dabei reicht es nicht, die einzelnen Aspekte zu betrachten, vielmehr ist es wichtig, die Wechselwirkungen ins Blickfeld zu rücken: Das Individuelle Innere beispielsweise dreht sich darum, wo man denn eigentlich hin will und wer man ist; beim Individuellen Äußeren beschäftigt man sich damit, wie man nach außen hin wirkt und wie man sich verhält oder verhalten will; Beim kollektiven Inneren beschäftigt man sich mit dem eigenen Sein in der Umgebung, in der man sich befindet: Wie wurde ich zu der Person, die ich bin? Wie läuft das Miteinander mit anderen und wie wirkt sich meine Idee darauf aus? Das kollektive Äußere schließlich beschäftigt sich mit den sichtbaren äußeren Konsequenzen der Idee: Wie sehen die Arbeitsbedingungen aus und wie vertragen sie sich mit der Idee? Gibt es Auswirkungen auf meine Familie (zeitlich, räumlich)? Muss ich strukturelle Änderungen meiner Arbeit vornehmen? etc.

 

Damit es leichter fällt, das alles zu bedenken, schlägt Hamburger eine „Visualisierungshilfe“ vor, wie sie es nennt (Hamburger 2009: S. 61): „Die Landkarte einer Situation (oder einer neuen Idee.“ (siehe Tab. 1)

Nadine Hamburger selbst schreibt über die Verwendungsmöglichkeiten folgendes:

„Mit der »Landkarte einer Situation« haben Sie ein universelles Instrument, das Ihnen bei jeglicher Art der Reflexion helfen kann: von der Gestaltung Ihres Trainings über das Erfassen einer Problemsituation bis hin zur Entscheidungsfindung – egal, ob sich die Matrix auf ein Unternehmen oder auf Sie als Einzelperson bezieht.“ (Hamburger 2009: S. 62)

 

 

Tab. 1: „Landkarte einer Situation“ (Hamburger 2009: S. 62)

  Innerlich(nicht sicht- oder messbar) Äußerlich(sicht- oder messbar)
Individuell (ich) Wer bin ich?Was will ich?
  • Werte
  • Visionen, Ziele
  • Gedanken
  • Bedürfnisse, Gefühle
  • Glaube
Wie wirke ich?Wie verhalte ich mich?
  • Wirkung und Signale
  • Körper, Verhalten
  • Energie, Gesundheit
  • Kommunikation
  • Wissen, Kompetenzen
Kollektiv (wir) Wie wurde ich, was ich bin?Wie soll das Miteinander sein?
  • Unternehmenshistorie
  • persönlicher/familiärer Hintergrund
  • Interessen des Miteinanders
  • kulturelle Normen
  • gemeinsame Vision, Werte
Wie lebe und arbeite ich?Wo will ich hin?
  • Berufs- und Familiensituation
  • Umfeld (Arbeitsplatz, Wohnung, Natur)
  • Strukturen, Prozesse
  • Finanzen
  • Wachstum

 

 

Für die konkrete Umsetzung heißt das, dass man sich die Zeit nimmt, um sich hinzusetzen und sich wirklich über jeden einzelnen Aspekt Klarheit zu verschaffen. So ist es möglich, ein Gesamtbild von der Idee oder Situation zu bekommen, die man beleuchten möchte – mit allen positiven und negativen Konsequenzen.

In Tabelle 2 sind als praktisches Beispiel einige Überlegungen aufgelistet, wie sie jemand anstellen könnte, die/der die Idee hat, einen Werkzeugkoffer für TrainerInnen zu erstellen.

 

Tab. 2: Beispiel – Ich überlege, einen Werkzeugkoffer für TrainerInnen zu erstellen

  Innerlich(nicht sicht- oder messbar) Äußerlich(sicht- oder messbar)
Individuell (ich) Wer bin ich?Was will ich?
  • Ich komme meiner Vision näher
  • Ich will anderen TrainerInnen das Leben erleichtern und sie in ihrer Arbeit unterstützen
  • Ich bin sehr motiviert
  • Ich habe einige Bedenken, ob mein Angebot auch angenommen wird
  • Gleichzeitig bin ich zuversichtlich, denn ich weiß, dass ich da etwas Sinnvolles vorhabe
Wie wirke ich?Wie verhalte ich mich?
  • Es wäre zeitaufwändig, was mich viel Energie kosten kann
  • Gleichzeitig wäre ich dabei voll in meinem Element – Wissen und Kompetenzen passen
  • Es ist viel Schreibtisch-Arbeit
  • Es ist eine gute Ergänzung zum Trainings-Alltag
Kollektiv (wir) Wie wurde ich, was ich bin?Wie soll das Miteinander sein?
  • Ich habe die Gelegenheit mit einem tollen Partner zusammenzuarbeiten
  • Gemeinsam mit den LeserInnen können wir uns weiterentwickeln
Wie lebe und arbeite ich?Wo will ich hin?
  • Ich kann nicht abschätzen, ob sich die Idee auch irgendwann finanziell rechnet
  • Ich kann selbst viel Neues dabei lernen
  • Ich verbringe dadurch mehr Zeit im Büro, wodurch ich weniger Zeit für meine Familie habe

 

 

Ob diese Überlegungen schlussendlich für oder gegen die Umsetzung der Idee sprechen, muss man am Ende dennoch selbst entscheiden – diese Art der Visualisierung soll schlicht dabei helfen, keinen wichtigen Punkt zu übersehen.

 

Kommentar

Die Umsetzung dieser Methode beansprucht (individuell) viel Zeit, da man tatsächlich alles beschreiben sollte, was einem zu den einzelnen Fragen im Kopf herumschwirrt. Eine vollständige Matrix wird noch deutlich ausführlicher ausfallen, als im Beispiel in Tab. 2.

 

Richtiger Zeitpunkt/Voraussetzungen

Es gibt keine inhaltlichen Voraussetzungen für diese Methode – allerdings ist es sinnvoll, diese Methode gleich praktisch anzuwenden, wenn man sie in einem Seminar vorstellt.

 

Querverweise

 

Weiterführende Literatur

 

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