Kennenlernen

(als pdf herunterladen)

 

Ziel

Die TeilnehmerInnen sollen sich einerseits gegenseitig kennenlernen und andererseits ein paar Methoden in die Hand bekommen, mit denen sie ihrerseits Teams und Gruppen in dieser Phase begleiten können.

 

Kontext

  • Team
  • Seminarbeginn
  • Teamführung
  • Gruppendynamik

 

Allgemein

Zu Beginn braucht eine Gruppe Struktur und Sicherheit, damit sich die TeilnehmerInnen trauen, aus sich herauszugehen um anschließend offen für die Inhalte des Seminars zu sein. Es gibt Kennenlern-Übungen, die den TeilnehmerInnen dabei helfen über ihren Schatten zu springen und sich mit anderen auszutauschen und so in die Gruppe zu finden. Je nach Situation kann man dafür unterschiedliche Settings wählen:

 

Großgruppensetting: Wenn sich die Gruppe bereits kennt und die TeilnehmerInnen von sich aus miteinander reden, kann man das erste Kennenlernen in der Großgruppe (im Plenum) durchführen. Wichtig dabei ist, dass jedeR TeilnehmerIn zumindest einmal kurz zu Wort kommt – das senkt die Hemmschwelle für spätere Wortmeldungen (dasselbe gilt für den Abschluss den nachstehenden Settings).

Kleingruppensetting: Übungen in kleineren Gruppen sind dann zu Beginn sinnvoll, wenn sich die TeilnehmerInnen teilweise bereits kennen oder sich ein bisschen kennen (vom Sehen oder von der Hinfahrt zum Seminar), aber noch nicht sehr offen miteinander umgehen. In diesem Setting ist die Hemmschwelle geringer und man hat anschließend zumindest ein paar Personen in der Gruppe, mit denen man bereits persönlich gesprochen hat. Die wichtigsten Erkenntnisse müssen anschließend aber unbedingt in die Großgruppe getragen werden.

Paarsetting: Zweiergespräche zu Beginn eignen sich für Gruppen, in denen sich die TeilnehmerInnen noch überhaupt nicht kennen und sich auch eher schüchtern und zurückhaltend geben. Mit einer einzelnen Person redet es sich am Anfang leichter und man hat zumindest eine Ansprechperson. Auch hier ist es wichtig, zum Schluss die wichtigsten Ergebnisse in die Großgruppe zu transportieren – dies kann auch über den Umweg einer weiteren Kleingruppenübung geschehen (z.B. Zusammenführung zweier Paare, bevor man in die Großgruppe übergeht)

 

Von Kennenlern-Übungen zu unterscheiden sind grundsätzlich Übungen zum Merken der Namen. Diese geben nichts über die Personen preis und sind daher zum Kennenlernen ungeeignet.

 

Praktische Übungen

Großgruppensetting

einfache Vorstellrunde: JedeR stellt sich kurz vor. Am besten ist es, wenn man vorgibt, was man hören möchte (z.B. Name, Funktion in der Gruppe, Warum bin ich hier). Damit vermeidet man extreme Unterschiede in den Redezeiten.

Vorsicht: Bei vielen Personen kann so eine Vorstellrunde schnell lange dauern, was zur Folge haben kann, dass sich einzelne TeilnehmerInnen langweilen. Außerdem sind einzelne möglicherweise noch nicht bereit, vor der ganzen Gruppe zu sprechen und fühlen sich unwohl.

 

Vorstellrunde mit Vorbereitung: JedeR bekommt einen Zettel und eine Aufgabe zur Vorbereitung (z.B. Erwartungen an das Seminar, Auflistung persönlicher Eigenschaften, etc.) und trägt die Ergebnisse dann zusammen mit dem Namen kurz vor.

Hier gelten dieselben Hinweise wie bei der einfachen Vorstellrunde.

 

Bildkarten/-impulse: Man streut Bildkarten in die Mitte (auf den Boden oder auf einen Tisch). JedeR TeilnehmerIn sucht sich eine Karte aus und stellt sich anschließen in der großen Runde vor, indem sie/er erklärt, aus welchem Grund sie/er gerade diese Karte gewählt hat.

Der Vorteil dieser Übung ist der Spielraum, den man den TeilnehmerInnen damit gibt. Wer viel von sich preisgeben will, kann das tun, wer eher schüchtern ist, ist dennoch nicht überfordert. „Ich habe diese Karte gewählt, weil mir die Farbe gut gefällt“ ist ebenso zulässig wie eine Geschichte aus der eigenen Kindheit.

 

Luftballons: JedeR bekommt einen Luftballon (oder einen leeren Zettel – je nachdem wie verspielt die Gruppe ist) und zeichnet darauf etwas, das sie/ihn charakterisiert (z.B. ein Musikinstrument, wann man musikalisch ist oder einen Baum, wenn man naturverbunden ist). Anschließend werden die Luftballons quer durch den Raum geworfen und jedeR schnappt sich einen fremden Luftballon (die Karten werden in eine Kiste oder einen Sack gegeben und jedeR zieht eine Karte). Jetzt fängt eineR an zu beschreiben, was auf dem Ballon/der Karte zu sehen ist und stellt Vermutungen an, wem dieser Ballon/diese Karte gehört. Anschließend gibt sich die Person zu erkennen, der der Ballon/die Karte wirklich gehört und klärt auf – diese Person macht dann weiter.

Diese Übung kann sehr schnell als kindisch und zu verspielt angesehen werden. Bevor man sie anleitet sollte man sich sicher sein, dass die jeweilige Gruppe mit so etwas umgehen kann. Außerdem ist es wichtig zur Beschriftung der Ballons unbedingt Permanent Marker zu verwenden, da andere Stifte auf dem Material nicht halten.

 

Eigenschaftenbingo: Alle gehen im Raum herum. JedeR hat eine Liste von bestimmten Eigenschaften, die er für sich ausfüllt (Herkunft, Ausbildung, Schuhgröße, Alter, etc.) und muss für jede Eigenschaft mindestens eine andere Person finden, auf die dasselbe zutrifft und sich den Namen notieren. Anschließend wird das Ganze in der großen Gruppe aufgelöst, indem jedeR kurz sagt, was sie/er mit wem gemeinsam hat.

Vorsicht bei sehr schüchternen TeilnehmerInnen oder bei solchen, die aus irgendeinem Grund in ihrer Bewegungsfähigkeit eingeschränkt sind. Auf erstere kann man eingehen, indem man eine Gesprächsreihenfolge festlegt, auf zweitere, indem man das Setting so aufbaut, dass sich nicht alle im Raum bewegen müssen (z.B. ‚Marktstände‘ aufbauen).

 

Toilettenpapier: Man gibt eine Rolle Toilettenpapier reihum und sagt: „Es soll sich bitte jedeR so viel abreißen, wie sie/er glaubt zu brauchen/wie sie/er will (mindestens 1).“ Anschließend muss jedeR so viele Eigenschaften von sich nennen, wie sie/er Toilettenpapier in der Hand hat (Alternative: man kann auch Süßigkeiten verwenden – diese sollten allerdings nicht in der Hand schmelzen).

Diese Übung kann schnell kindisch und zu verspielt wirken. Außerdem ist sie gefährlich, wenn man eine sehr unsichere Gruppe vor sich hat, da diese Übung die Unsicherheit eher noch verstärkt.

 

Kleingruppensetting

Schlüsselbund: JedeR packt ihren/seinen Schlüsselbund aus und erzählt anhand der Schlüssel Dinge über sich (z.B. Das ist der Schlüssel für mein Fahrrad, ich fahre damit überall hin und bin auch sonst sehr sportlich; Das ist der Schlüssel zu meiner Wohnung, in der ich mit meiner Freundin/meinem Freund wohne). Anschließend stellt sich jeder nochmal kurz in der Großgruppe vor (ohne Schlüsselbund) und erzählt die wichtigsten Eigenschaften (Alternative: die jeweils anderen stellen eine Person vor und sagen dazu, was sie am meisten überrascht hat)

 

Hypothetisieren: Die TeilnehmerInnen raten, wie eine Person ist. Dafür beginnt man mit einer Person. Die anderen beraten laut darüber, wie sie die Person einschätzen. Anschließend klärt die Person auf. Dann kommt die/der nächste an die Reihe. Es ist sinnvoll einige Eigenschaften vorzugeben, die erraten werden sollen, so fällt es einerseits leichter, andererseits vermeidet man damit Untergriffe (vorgeben könnte man z.B. Hobbies, Alter, Lebenssituation, Ausbildung, Berufsweg, Herkunft, etc.) In der Großgruppe stellt sich jedeR selbst vor und berichtet von den überraschendsten Hypothesen zu ihrer/seiner Person.

Vorsicht: Wenn man keine Eigenschaften vorgibt, ist die Gefahr groß, dass einige TeilnehmerInnen Eigenschaften ansprechen, bei denen andere sich angegriffen fühlen.

 

einfaches Vorstellen: Die TeilnehmerInnen stellen sich in ihren Kleingruppen einfach vor, indem sie Dinge über sich erzählen – dies kann durchaus in gemütlicher Gesprächsatmosphäre (Kaffeehausatmosphäre) passieren. Anschließend werden die wichtigsten Erkenntnisse in der Großgruppe erzählt (kann jedeR selbst machen oder man lässt die TN sich gegenseitig vorstellen).

 

Gemeinsamkeiten finden: Die Kleingruppe muss mindestens drei Dinge/Eigen-schaften finden, die auf alle in der Kleingruppe zutreffen.

Hier kann es passieren, dass sich keine oder zu wenige Eigenschaften in den Gruppen finden, vor allem dann, wenn die TeilnehmerInnen noch eher unsicher und/oder schüchtern sind. Man kann dann entweder die Zahl heruntersetzen oder man setzt sich kurz zur jeweiligen Gruppe und versucht das Gespräch anzukurbeln und in neue Richtungen zu lenken.

 

Paarsetting

PartnerInnen-Interview: JedeR befragt den jeweils anderen, um sie/ihn kennen zu lernen. Anschließend stellen sich die TN gegenseitig in der Großgruppe vor (Variante: beim Vorstellen in der Großgruppe wird eine Lüge eingebaut und die Gruppe muss erraten, was die Lüge war).

Hier ist es wichtig, dass sich vor allem jene TeilnehmerInnen zum Interview zusammenfinden, die sich vorher nicht kannten.

 

einfaches Vorstellen: siehe ‚einfaches Vorstellen‘ im Kleingruppensetting.

 

Gemeinsamkeiten finden: siehe ‚Gemeinsamkeiten finden‘ im Kleingruppensetting.

 

Namensspiele (Großgruppe)

‚Panierter Peter‘: JedeR sagt seinen Namen und eine Eigenschaft, die mit demselben Anfangsbuchstaben beginnt und idealerweise auf sie/ihn zutrifft. Vorher muss sie/er aber alle bereits gesagten Namen und Eigenschaften der Reihe nach wiederholen (Das ist die ehrliche Eva, das ist der alternative Armin, das ist die selbstbewusste Sabine und ich bin der beliebte Bernd).

Achtung: die Eigenschaften können einem nachher sehr lange erhalten bleiben, darauf sollte man unbedingt am Beginn hinweisen.

 

Sternjonglage mit Namen: Alle stellen sich im Kreis auf und man wirft einen Ball zu einer Person und nennt ihren Namen. Diese Person wirft den Ball zu einer weiteren Person und nennt deren Namen, usw. Man kann dann dieselbe Reihenfolge beliebig oft wiederholen und auch einen zweiten oder dritten Ball dazu nehmen, die dann in einer anderen Reihenfolge geworfen werden müssen.

Vorsicht bei TeilnehmerInnen mit eingeschränkter Bewegungsfähigkeit! Man kann die Übung adaptieren, indem man z.B. den Kreis im Sitzen bildet.

 

Hat dir der Artikel gefallen?
Erhalte neue Modelle & Theorien per Email
Wir erweitern die Sammlung laufend. Melde dich zu unserem Newsletter an und du verpasst garantiert nichts!

Du kennst weitere Theorien und Modelle zu diesem Thema oder hast gute Ideen, wie man dieses Modell ins Training einbauen kann?

Hinterlasse hier einen Kommentar zu deinen persönlichen Erfahrungen und Ideen und hilf so anderen Trainerinnen und Trainern dabei, den Beitrag optimal zu nutzen!